Denkspiele im Jahre 1810

In einer Sammlung kleiner Prosastücke von Heinrich von Kleist findet man auch einen Text mit dem Titel
Nützliche Erfindungen, Entwurf einer Bombenpost.
Ganz offensichtlich sollen die Leser mit damals für absurd gehaltenen Kommunikationsmitteln erheitert werden, deren ernsthaften Gebrauch niemand in Erwägung ziehen würde:

Man hat in diesen Tagen, zur Beförderung des Verkehrs, innerhalb der Grenzen der vier Weltteile, einen elektrischen Telegraphen erfunden; einen Telegraphen, der mit der Schnelligkeit des Gedankens, will sagen, in kürzerer Zeit, als irgendein chronometrisches Instrument angeben kann, vermittelst des Elektrophors und des Metalldrahts Nachrichten mitteilt; dergestalt, dass wenn jemand, falls nur sonst die Vorrichtung dazu getroffen wäre, einen guten Freund, den er unter den Antipoden hätte, fragen wollte: “Wie geht's dir?“, derselbe, ehe man noch eine Hand umdreht, ohngefähr so, als ob er in einem und demselben Zimmer stünde, antworten könnte: “Recht gut“. So gern wir dem Erfinder dieser Post, die, auf recht eigentliche Weise, auf Flügeln des Blitzes reitet, die Krone des Verdienstes zugestehen, so hat doch auch diese Fernschreibekunst noch die Unvollkommenheit, dass sie ... zur Versendung ganz kurzer und lakonischer Nachrichten, nicht aber zur Übermachung von Briefen, Berichten, Beilagen und Paketen taugt. . .

Im weiteren Verlauf des Textes schlägt der Verfasser daher eine neuartige “Bombenpost“ vor, bei der die in Kugeln verpackten Postsachen per Artillerie von Station zu Station geschossen werden.

. . .Da man, auf diese Weise, wie eine kurze mathematische Betrachtung lehrt, binnen Zeit eines halben Tages, gegen geringe Kosten, von Berlin nach Stettin oder Breslau würde schreiben oder respondieren können und mithin, verglichen mit einem reitenden Posten, ein zehnfacher Zeitgewinn entsteht, [ist es] ebensoviel, als ob ein Zauberstab die Orte der Stadt Berlin zehnmal näher gerückt hätte . . .

So dachte und schrieb ein kluger Mann vor knapp 200 Jahren.
Längst transportiert die Satellitenkommunikation ungeheuere Datenmengen nahezu zeitgleich zwischen den Kontinenten; und auch der Abwurf von Hilfsgütern in Behältern hat sich als brauchbare Transportmöglichkeit schon bewährt.

1.1.07 19:23

Letzte Einträge: Kreuzwortaufgabe, Gedankensplitter, Drachentöter, Gewissensfrage, Tack – tack – tack – tack. . ., Umzug

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen