Zufälliger Fund

Peter Huchel – Havelnacht

Hinter den ergrauten Schleusen
nur vom Sprung der Fische laut,
schwimmen Sterne in den Reusen,
lebt der Algen Dämmerkraut,

lebt das sanfte Sein im Wasser,
grün im Monde, unvergilbt,
wispern nachts die Büsche blasser,
rauscht das Rohr, ein Vogel schilgt,

nah dem Geist, der nachtanbrausend
noch in seinem Flusse taucht,
in dem Schilf der Schleusen hausend,
wo der Fischer Feuer raucht:

Duft aus wieviel alten Jahren
neigt sich hier ins Wasser sacht.
Wenn wir still hinunter fahren,
weht durch uns der Trunk der Nacht.

Die vergrünten Sterne schweben
triefend unterm Ruder vor.
Und der Wind wiegt unser Leben,
wie er Weide wiegt und Rohr.


Die Umstände, durch die ich die kleine Kostbarkeit kennen lernte, machen mir erschreckend bewusst, an wieviel Schönem ich ahnungslos vorbeigehen kann, wenn meine Aufmerksamkeit nicht zufällig darauf gelenkt wird.

14.5.10 18:25

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


manfred (17.5.10 08:30)
..und schon lenkt der Gedanke ab:

"Wie hat er es entdeckt?"

Grummel.


grins. Manfred


Asmus / Website (14.1.16 10:23)
Fürwahr ein echtes Kleinod! Und wie schade, dass Huchel allgemein so unbekannt geblieben ist. Beste Grüße

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