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Lesefrucht

« . . . ‘À quoi bon la poésie?’ dit-on maintenant que la science paraît suffire à combler tous les besoins, alors qu’augmente, en fait, le vide intérieur. La poésie me semble là, justement, pour faire voir au regard usé, désabusé, que le monde n’a jamais cessé d’être étrange, lointain, désirable … Ni l’avion ni les fusées ne raccourcissent les véritables distances, qui sont entre notre cœur et le secret des choses les plus proches . . . »

(“. . . ’Wozu noch Poesie?’ sagt man jetzt, da die Wissenschaft auszureichen scheint, um alle Bedürfnisse zu befriedigen, während zugleich die innere Leere immer größer wird. Mir scheint gerade die Poesie dazu da zu sein, den abgestumpften, den irregeleiteten Blick daran zu erinnern, dass die Welt nie aufgehört hat, seltsam, fern, begehrenswert zu sein ...
Weder das Flugzeug noch Raketen verkürzen die wirklichen Distanzen, die nämlich zwischen unserem Herzen und dem Geheimnis der Dinge um uns her . . .“)

aus: Philippe Jaccottet – Tout n’est pas dit, bei Ulrich Keicher, Warmbrunn

2 Kommentare 22.1.12 16:54, kommentieren

notizen – notizen – notizen – . . .

Nicht wenige meiner fragmentarischen Aufzeichnungen bleiben “unerweckt“ und müssen einfach vergehen. Andere dienen als Ausgangspunkt zu ausführlichen Gedanken – sie gehen auf wie Samen.

21.1.12 19:23, kommentieren

Der “Kniestorch“, eine neue Spezies?




Dass dieser Klapperstorch mit dermaßen gebrochenem und verlängertem Bein noch Babies herbeischleppen kann, während er selbst dringend ärztlicher Hilfe bedarf?!

Wie oft man doch in unserem Alltag mit gut Gemeintem zufrieden sein soll nach dem Motto “Sieht doch jeder, was gemeint ist“, obwohl es ohne Mehrkosten auch richtig sein könnte.

20.1.12 18:34, kommentieren

Baselitz im Städel




Ein echter “Hingucker“ – aber sie werden das Werk doch nicht womöglich falsch herum aufgehängt haben?

6 Kommentare 19.1.12 12:26, kommentieren

Nachtrag zu “Baselitz im Städel

Da man bei Kommentaren keine Bilder hochladen kann, sei der Umweg über einen Nachtrag gestattet.

Marc Fritzsche schreibt:
Ich habe mal mit Photoshop den Baselitz innherhalb des Fotos umgedreht (leider sind die Farben dabei ganz leicht verändert worden, warum auch immer) und hänge ihn Dir an. Ich glaube nicht, dass das Bild falschherum hängt. In der Kieler Kunsthalle hat der Direktor mal einen Baselitz vor unseren Augen umgedreht. Da habe ich festgestellt, dass seine Kompositionen gewissermaßen die Schwerkraft mit einbeziehen: Der gedrehte Baselitz "funktionierte" einfach nicht. So ist es m. E. auch in der anhängenden Datei: Das von Dir gemachte Bild scheint mir plausibler.
Nett übrigens, dass die Darsgestellten so lange Hälse machen und die Köpfe drehen: Als hätten Sie dieses Nachdenken vorhergesehen.


. . .

Als altem Griesgram, der ich (D.M.) zugegebenermaßen bin, traut man mir natürlich nicht zu, dass ich einen Witz mache.
Ganz klar ist (aber ganz unbaselitzesk), dass hier mal unten auch tatsächlich unten ist. Und harmlose Städelbesucher könnten versucht sein, probeweise das Drehen der Hälse und Häupter nachzumachen.

2 Kommentare 19.1.12 15:20, kommentieren

Abreißgedicht

Hans Thill

Kühle Religionen

im kniehohen Kraut wuchs man rasch
zu hohen Tannen die beisammen standen
spitze Häuser im Nacken der Berg eine
altbekannte Kannte

das Land eine Unebenheit zwischen
Wasserläufen ein Kaffeefleck auf dem
allmächtigen weißgedeckten Tisch

abschüssige Jahre man weiß nicht
von welchem Punkt aus zu vermessen
welche Gebirge in einsameren Gegenden
aufgeschüttet wurden

heiliger Berg klotziger zugiger
Brautkörper Gräber weithin zu sehen
und Türme alle gleichnamig dazwischen
unverständliche Dialekte zu lesen


Jedesmal wenn ich im Literaturhaus vor der Wand mit den Abreißgedichten stehe, gehen mir zwei Fragen durch den Kopf:
– wer wählt die Gedichte nach welchen Gesichtspunkten aus?

Ein System oder Programm war für mich bisher nicht zu erkennen.

– welche Kriterien lassen mich nach dem einen oder anderen Blatt greifen, um es dann mitzunehmen?

Überrascht mich der Text? möchte ich noch mehr davon lesen? und provoziert das Gedicht meinen “Schützreflex“ gegen das selbstgefällige Nichtverstehenwollen kunstferner Spießer?

18.1.12 21:34, kommentieren

Lesefrucht

David Albahari

Das Bild

Neben einem Fenster im Speiseraum der Berghütte hängt ein Bild mit dem Motiv, das vor dem Fenster zu sehen ist: der smaragdgrüne See, in dem sich die umliegenden Berge spiegeln. Das Bild hing siebenunddreißig Jahre an der Stelle; dann verschwand es und war nicht mehr zu finden. Zwei Jahre später tauchte das Bild unverändert an der alten Stelle auf. Man entdeckte keine Spuren oder Abdrücke darauf; aber seitdem kann man in der Hütte nur noch schwer ein freies Bett bekommen. Alle gehen hin in der Hoffnung, dass das Bild wieder verschwindet, während sie gerade dort sind.


Geht nicht von dem Text eine ähnliche Wirkung aus, wie man sie vor manchen Bildern von Magritte erleben kann? Nur einfache, “unschuldige" Aussagesätze, die als Ganzes dennoch etwas Unheimliches heraufbeschwören.

17.1.12 17:37, kommentieren

Waidmannsbedarf, nicht von der Stange




In unserer von Massenprodukten geprägten Welt gehören die behelfsmäßig selbst konstruierten Schäferkarren und mobile Anstände zu den originellen Seltenheiten in der Landschaft. Kein Stück gleicht dem anderen, weil beim Bauen jeweils nur zufällig vorhandene Materialien verwendet und für die gleichen Probleme stets neue Lösungen erprobt werden.

Das leicht Windschiefe und schreberartig Gebastelte dieser Objekte lässt sie wie aus anderer Zeit und im Einklang mit der umgebenden Natur erscheinen.

1 Kommentar 16.1.12 22:14, kommentieren

Neues aus dem Atelier




In Gedanken an Dortmund, Acryl auf Leinwand, 142 x 132 cm, fünfteilig

15.1.12 20:44, kommentieren

Schön gesagt:

in einem Interview* sprach Alexander Kluge von der Fähigkeit des Menschen, zärtlich zu sein:

“Zärtlichkeit bei Dingen nennen wir Sorgfalt, Zärtlichkeit bei Menschen ist eine glückliche Form der Liebe.“

Und was bedeutet es, wenn jemand manches mit besonderer Sorgfalt und anderes ganz achtlos behandelt?

*) SZ v. 14./15.1.12

14.1.12 17:53, kommentieren